Du bzw. Ich
Lieben, Streiten, Ignorieren, Fühlen, Schweigen, Leiden....

sind Zustände, die eine Beziehung erst wirklich ausmachen. Verbindungen, die wir heute eingehen, werden von unseren Vorerfahrungen und Mustern aus der Kindheit geprägt. Mit seiner neuesten Produktion “DU bzw. ICH” greift der TGS-JUGENDCLUB das Thema “Beziehung” auf. Ausgehend von den Erinnerungen an erlebte Beziehungen knüpfen wir mit Improvisationen daran an und entwickeln daraus ein Bühnenstück.

Spiel: Hicham Bousseta, Nadja Duesterberg, Anna Gerhards, Antonella Miceli, Santo Pedilarco, Sandra Vieth Mitwirkende: Volkan Akman, Jonas Dienst, Katharina Mildner Licht: David Schecker Künstlerische Leitung: Willy Combecherr
Presse Frankfurter Rundschau
Immer die Anderen

Jugendclub Gruene Sosse zeigt "Du bzw. Ich" im Theaterhaus Von Jutta Baier Wie viel leichter wäre das Leben, wenn es nur lauter Ichs gäbe und nicht auch diese bockigen Dus, die immer etwas Anderes wollen, komische Ansichten haben und überhaupt unfähig sind, das Ich so zu sehen, wie es gesehen werden möchte. Das Du als permanente Reibungsfläche, das ist das Thema der auf eigenen Erfahrungen und eigenen Texten beruhenden Szenenfolge, die der Jugendclub Gruene Sosse nun im Theaterhaus vorstellt.Immer paarweise treten die Akteure vor (sechs sind es insgesamt) und spielen die alltäglichen Missverständnisse zwischen Du bzw. Ich (so der Titel) an; vom Kleinen und Kleinsten gehen sie aus, etwa wenn ein Vater den klebrigen Bonbon, den das Töchterchen ihm in die Hand drückt, eklig findet, arbeiten sich dann aber bald zu den gravierenderen Schieflagen zwischen Eltern und Kindern sowie der Eltern untereinander vor, die wiederum das Modell für Paarbeziehungen generell abgeben und die breiten Raum einnehmen.

Der Regisseur Willy Combecher sorgt dabei mit Slapstick-Song- und Revueeinlagen dafür, dass sich kein larmoyanter Ton einschleicht, doch ist der inhaltliche Ansatz immer derselbe: Die Wünsche und Bedürfnisse, die der Eine hat, mal nach Geborgenheit, mal nach Freiheit, mal nach Beachtung, mal einfach auch nur nach mehr Geld, werden vom Anderen,
der stets den Part des Kontrahenten spielt, entweder nicht wahrgenommen oder auch geradewegs abgelehnt. Dummerweise hat das Du selber Wünsche und Gefühle und braucht ausgerechnet in dem Augenblick, in dem das Ich sich nähert, seine Ruhe.So sind die Beziehungen in dem Stück vor allem eine Quelle der Frustration, Enttäuschung und Verbitterung; das Du als Korrektiv und als unentbehrliche Instanz beim Prozess der Identitätsfindung kommt nicht vor - wie überhaupt Differenzierung nicht die Sache des Laienensembles ist.

Es baut ganz auf seine eigenen, schmalen Erfahrungen, es will nicht belehren noch zum Nachdenken bringen, sondern bloß bei seinem überwiegend gleichaltrigen Publikum Aha- und Wiedererkennungseffekte auslösen. Was in der Premiere gelang, der Applaus war stürmisch, die Jugendlichen sind anscheinend auf ihre Kosten gekommen.

Copyright © Frankfurter Rundschau 2002 Dokument erstellt am 13.10.2002 um 21:07:06 Uhr Erscheinungsdatum 14.10.2002