Die Klasse 6a hatte am 15. 11. 2007 ein großes „THEATER“
nämlich „IM KLASSENZIMMER“. Es besuchten uns drei Schauspieler vom Theater GRÜNE SOSSE , dazu noch eine Menge Zuschauer vom THEATER DER JUNGEN GENERATION. Nadja, Willi und Siggi kamen extra wegen uns von Frankfurt am Main, um mit uns gemeinsam einen Theater-Workshop zu gestalten. Am Anfang haben sie uns jedoch erst mal richtig reingelegt. Willi und Siggi spielten die beiden Handwerker Bernd und Olaf, die in die Klasse hereinkamen, um die Stromversorgung zu überprüfen. Nadja war die erschrockene Workshoplehrerin, die mit den beiden Handwerkern diskutierte, ob diese Überprüfung gerade jetzt durchgeführt werden muss. Sie hat sich aber dann doch überreden lassen.

Willi und Siggi spannten nun eine riesig lange Schnur durch das Klassenzimmer um Abstände zu messen. Dann stellte Siggi eine schiefe Wasserwaage auf, um mit einem nicht funktionierenden Laser die Geraden zu ermitteln. Willi hängte später dann ein Eisengestell, was einem Mikrowellenuntersetzer ähnelte, an das Fenster. Lauter solchen „Mist“ machten die beiden noch, bis die Klasse begriff, dass alles nur gespielt war.

Später werteten wir das Ganze aus und machten ein paar Übungen, die nützlich sind zum Einstieg auf einer Bühne: Das Vorstellen, das Abgehen, das Fokussieren, das Aufwärmen… Wir Schüler durften anschließend selbst kleine Theaterstücke spielen und gemeinsam umschreiben. Am Ende wurde es ein interessantes, dramatisches aber auch spannendes kleines Spiel.
von Maria Wagner, 6a
Frankfurter Allgemeine Zeitung, Rhein-Main Zeitung 26.3.07
Handwerker im Deutschunterricht "Grüne Soße" in der Schule
Schön wär's: Gerade hat die Lehrerin den Fünftklässlern den ersten Satz des Diktates vorgelesen, da stürmen zwei Handwerker in die Klasse. Die Pädagogin macht große Augen, protestiert, aber nichts da, das Diktat ist beendet, hier wird jetzt erst einmal der Schlagersender im Radio eingestellt, Bernd und Olaf wollen schließlich in Arbeitsstimmung kommen. Welcher Schüler würde da nicht frohlocken? Überraschend nur, dass sich in diesem Fall auch die Lehrerin freut, aber sie hat die beiden Störenfriede schließlich sogar eingeladen. Denn natürlich sind Sigi Herold als Bernd und Willy Combecher als Olaf in Wirklichkeit keine Handwerker, sondern Leiter und Schauspieler des Frankfurter Kinder- und Jugendtheaters "Grüne Soße". Die Störung des Diktates war von langer Hand geplant. "Alles im grünen Bereich" heißt das neue Projekt, das in Schulen die Auseinandersetzung mit dem Theaterspielen anstoßen soll. Gemeinsam mit der Theaterpädagogin Nadja Blickle wollen die beiden Schauspieler fünfte, sechste und siebte Klassen besuchen und die Schüler mit der rund zwanzig Minuten dauernden Szene überfallen. Im Frankfurter "Theaterhaus" kann der Überraschungseffekt am Abend der ersten Präsentation naturgemäß nicht allzu groß sein, die Gäste sind schließlich alle auf Einladung hier. Doch amüsant ist das Ministück in der Regie von Detlef Köhler trotzdem, auch die anwesenden Kinder lauschen den Dialogen gespannt und kichern an den richtigen Stellen. Und dass Bernd, der Chef, ein Werkzeug namens Boskopp sucht und mit der Fernbedienung telefoniert, ist auch den Erwachsenen aufgefallen.
Wenn der Unterricht zum Theater wird
Zwei Schauspieler der Grünen Sosse bringen an der Herderschule als Handwerker eine Klasse durcheinander
Schabernack mit ahnungslosen Scbülerntreiben zwei Schauspieler vom Theater Grüne Sosse. Als Handwerker verkleidet, schleichen sie sich in die Klassenzimmer und improvisieren das Stück "Alles im Grünen Bereich".

OSTEND- Mit fragenden Blicken und für kurze Zeit beinahe regungslos sitzen die Schüler der Klasse "Aqua Marin" der IGS- Herderschule auf ihren Stühlen. Mitten in ihre Diskussion über Reptilien sind gerade zwei Männer im roten Schutzanzug geplatzt, die mehrere Koffer und abenteuerliche Geräte mit sich tragen. Sie faseln etwas von Differentialen und Stromverteilung und erklären Sven Burger, dem Klassenlehrer, dass sie hier eine wichtige Messung durchführen müssten. Sven Burger reagiert genervt. "Das geht aber nicht. Wir haben hier Unterricht in Naturwissenschaften", sagt er schroff. Doch die beiden Männer lassen sich nicht beirren. In 15 Minuten sei alles vorbei, sagt der eine, während der andere eine rote Maurerschnur quer durchs Klassenzimmer zieht.

Der Lärmpegel der Klasse steigt an. Sie können auch ruhig eine Stunde brauchen, ruft ein Fünftklässler den Handwerkern flapsig zu und reibt sich vor Freude die Hände. Neben ihm ist eine andere Schülerin aufgestanden und wirft eine Papierkugel ans hintere Ende des Raumes. Den meisten scheint die Störung sehr willkommen, auch wenn sie nicht wissen, was hier passiert. Hauptsache, kein Unterricht mehr. "Beschäftigt euch einstweilen mit euren Referaten, mahnt Sven Burger, aber seine Aufforderung erreicht die Schüler nicht mehr. Längst haben die Handwerker Olaf und Bernd die Aufmerksamkeit auf sich gezogen. "Kinder, schaut zu, dann könnt ihr noch was lernen", sagt Bernd mit fester Stimme und präsentiert eine Klapptafel, auf der viele bunte Kästchen, Linien und Markierungen eingezeichnet sind. "Das ist unser Schema. Wir arbeiten nach der europäischen Fehlervermeidungsordnung", erklärt er kurz. Sein Kompagnon versucht derweil, etwas am Fenster zu befestigen. "Das sieht ja aus wie ein Grillrost", wendet ein Schüler ein. "Das ist auch einer", sagt sein Banknachbar. Die beiden lachen.

Als sich die beiden Handwerker in ein pointiertes Streitgespräch verwickeln, fliegtihre Tarnung auf. Scharfsinnig bemerkt der elfjährige Marc Hartung "Das sind keine Handwerker. Das sind Schauspieler, und zwar sehr gute." "Ja genau", stimmen seine Freunde lauthals mit ein. Doch die Show geht weiter und wird nun immer chaotischer. Hier muss noch eine „okdonale Zahl“ - notiert werden. Da wird noch schnell das "axio-Dings" vermessen. Einer der geöffneten Koffer beginnt zu piepen. An einer anderen Stelle flackert plötzlich ein Lämpchen wie wild auf, und als einer der Männer nach draußen geht, um ein Werkzeug zu holen, droht einer der Handwerkerkästen auszubrennen. Angst haben die Schüler deshalb aber nicht. Längst haben sie bemerkt, dass sie Statisten in einem Schauspiel sind das mitten in ihrem Klassenzimmer stattfindet.
Nach insgesamt 20 Minuten tritt Nadja Blickle, die sich zu Beginn der Stunde als Referentin ausgegeben hatte, vor die Schüler und löst die Szene auf." Wir sind vom Theater Grüne Sosse. Euer Lehrer hat uns eingeladen."

"Ich hab' erst gedacht, wir sind bei ,Versteckte Kamera"', sagt Carla Weena Falk, die die Show gebannt verfolgt hat. Ihre begeisterten Mitschüler applaudieren den beiden Schauspielern, die in Wirklichkeit Willy Combecher und Sigi Herold heißen.

Wie Theater funktioniert Nachdem sich die aufgeregten Schüler wieder beruhigt haben, erklärt die Theaterpäda- gogin Nadja Blickle, wie ein gutes Schauspiel aufgebaut ist und mit welchen Mitteln, Spannung erzeugt werden kann. "Es muss immer einen kleinen Konflikt oder ein Problem geben", sagt sie. Aber an diesem Punkt dürfe eine Szene nicht stehen bleiben. Theater müsse immer eine Strategie verfolgen und taktisch klug sein. Zum Abschluss dürfen die Schüler das Gelernte anwenden und selbst eine kleine Szene spielen.

Die Idee, Kinder der Jahrgangsstufe fünf bis sieben mit dem Theaterstück "Alles im Grünen Bereich" in ihren Klassenzimmern zu überraschen, stammt von Detlef Köhler, dem Regisseur des Theaters Grüne Sosse. "Wegen der vielen Bildungsdebatten sind Schüler derzeit so gefordert, dass sie kaum noch ins Theater gehen. Da habe ich ge- dacht: Dann müssen wir eben zu ihnen kommen", erklärt er. Die Schüler der IGS-Herderschule sind nicht die Ersten, die von der Schauspielgruppe überrascht wurden. "Wir sind mit unserem Stück in den unterschiedlichsten Schulen in ganz Hessen unterwegs", sagt Sigi Herold. "Aber wir kommen nur auf Einladung der Lehrer. Die Schüler dürfen davon nichts mitbekommen", fügt er hinzu.

Das Theaterstück "Alles im Grünen Bereich" des Theaters Grüne Sosse wird vom Hessischen Ministerium für Wissenschaft und Kunst gefördert. Ziel der Schauspieler sei es, die künstlerische Kreativität von Kindern zu fördern und die Gruppendynamik innerhalb der Klasse zu verbessern, sagt Willy Combecher. PETRA STEIN
Frankfurter Rundschau, Östliche Stadtteile , Samstag 7.04.07 S.34t