Klimaforscher

Hier ein kurzer Filmbericht über Klimaforscher von "ALLE WETTER" von HR3

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Wassertropfen Jens als Bühnenstar
Kindertheater: TheaterGrueneSosse“ erklärt Nachwuchs auf amüsante Art die klimatischen Zusammenhänge

Echo - online , 25. Januar 2011  | Von Elfriede Schmidt

Steigt der Wasserspiegel? Dem Abstraktionsvermögen der Kinder wurde am Sonntagnachmittag beim Stück „Klimaforscher – Das Gewicht der Luft“ des Frankfurter Kinder- und Jugendtheaters „Grüne Soße“ viel abverlangt. Darsteller Sigi Herold experimentiert mit den Formen des Wassers Foto: Frank Möllenberg

Wenn man einen Eisblock in einen mit Wasser gefüllten Glaszylinder wirft und das Eis sich auflöst, steigt dann der Wasserspiegel, sinkt er oder bleibt er unverändert?
Mit dieser Rätselfrage begann am Sonntagnachmittag das Frankfurter Kinder- und Jugendtheater Grüne Soße das Stück „Klimaforscher - Das Gewicht der Luft“ und lenkte die Aufmerksamkeit des jungen Publikums sogleich mitten hinein in sein mit Globus, Landkarte, Mikroskop, Heizplatte und Glasgefäßen ausgestattetes Bühnenlabor auf der Studiobühne des Rüsselsheimer Theaters.
In diesem Drei-Personen-Stück unter Regie von Detlef Köhler geht es ums Klima und um den Klimaschutz der Erde, zu dem sich bekanntlich die 180 Teilnehmerstaaten des Welt-Erdgipfels 1992 in Rio de Janeiro mit der Unterzeichnung der Agenda 21 verpflichtet haben. Das Ensemble „Grüne Soße“ fesselte die Dritt- und Viertklässlern eine spannende Dreiviertelstunde lang und erklärte ihnen in einem Parforceritt komplexe wissenschaftliche Themen auf äußerst unterhaltsame Weise.
Mit flotten Sprüchen wie „Wenn der Hahn kräht auf dem Mist, ändert sich das Wetter - oder es bleibt, wie es ist“ kommen die drei Weißkittel, die sich als Spezialisten für Sonne, Luft und Wasser ausweisen, auf Wetter, Klima und Klimaveränderungen zu sprechen.

Als ein (be-)greifbarer Mittler für das junge Publikum dient der Wassertropfen Jens, dessen Weg die Kinder im Laufe der Vorstellung mitverfolgen können, bis Jens am Ende im krachenden „Gewitter und Sturm“-Satz von Beethovens Sechster, der „Pastorale“-Sinfonie, von Regenschauern ins Meer gespült wird. Die Menschen auf der Nordsee-Hallig, im Laborversuch mit Playmobilfiguren dargestellt, retten sich vor den hochgepeitschten Wellen noch ins Boot, Jens jedoch, zuletzt vom Norden Kanadas bis in die Nordsee abgedriftet, verschwindet von da an auf Nimmerwiedersehen. Denn Wasser, heißt es, sei nun mal überall, Pflanzen, Tiere und auch Steine speicherten Wasser und auch der Mensch bestehe zu zwei Dritteln aus Wasser.

Wasser, sagt der Experte im Dreierteam, komme heiß oder kalt sowie in verschiedenen Aggregatzuständen - flüssig, gefroren oder als Dampf - auf, im und über dem Globus vor.
Im Fokus der Astrophysikerin im weißen Kittel steht hingegen die Sonne, die es in den Klimazonen der Erde warm, heiß oder kalt sein lässt. „Auch die Sonne ist einfach da“, erfahren die Kinder und werden jetzt mit dem Thema „Luft“ konfrontiert. Luft, die aus Sauerstoff, Stickstoff und Wasserdampf besteht, kommt zwar immer und überall vor und man atmet sie aus und ein, man sieht sie aber nicht - ist sie also ein Nichts?
Das Experiment einer aus Stock und Faden improvisierten Feinwaage beweist jedoch ihr Gewicht: Die Seite der Waage mit dem luftgefüllten Ballon neigt sich nach unten und beweist, dass dieser schwerer als ein unaufgeblasener Ballon ist und folglich Luft auch ein Gewicht hat.
Von der Luft kommt das Expertenteam auf Begriffe wie Atmosphäre und Luftdruck zu sprechen und lässt, um die physikalischen Vorgänge nicht allzu knochentrocken anzubringen, jetzt Chopins flinken „Minutenwalzer“ aus dem Off einspielen. Heiter und amüsant wird es, wenn das Expertenteam den weiten Weg des zirkulierenden Wassertropfens Jens mit dem lautmalerischen „Plopp“ von Fingern im Mund demonstriert. Aus zunächst einzelnen Plopps werden viele, bis das Wasser sich von der kleinen Quelle aus platschend, schmatzend und gurgelnd über Stock und Stein bis ins weite Meer ergießt. Durch Verdampfung kommt der Wassertropfen Jens bis in den Himmel, gerät zur Frau Holle und wird mit den Schneeflocken im Winter zu Rotkäppchen und dem Wolf in den Wald geschüttelt.
Im Sauseschritt geht es jetzt durch die Märchenwelt bis wieder zurück ins Labor und in den Glaszylinder, in welchem der Eisbrocken inzwischen geschmolzen ist, der Pegel aber unverändert ist, weil sich Wasser ausdehnt. Dem Abstraktionsvermögen der Kinder wird mit diesem Lehrstück zwar viel abverlangt, doch sorgte das körperbetonte Spiel der Akteure dafür, dass die rund hundert Kinder am Sonntag gespannt und konzentriert zuhörten.
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 25.02.2010, Nr.47, S. 48

Der Wassertropfen namens Jens, Das Theater Grüne Soße zeigt "Klimaforscher"

Gut, dass es acht Jahre alte Jungs gibt, die einem im Handumdrehen erklären können, warum es erst blitzt und dann donnert: Weil das Licht schneller ist als der Schall, sagt der Knabe. Erleichterung auch bei einigen Erwachsenen, die solche Erklärungsnotstände fürchten.

Das Frankfurter Theater Grüne Soße - die Schauspieler Willy Combecher, Sigi Herold und Friederike Schreiber und der Regisseur Detlef Köhler - hat es sich nicht leichtgemacht mit seinem neuen Stück "Klimaforscher - Das Gewicht der Luft". Für seine Stücke recherchiert das Ensemble stets sehr gründlich - diesmal also zu Wetter und Klima, nicht gerade gängige Bühnensujets. Und anders als sonst geht die sehr offen gehaltene Mischung aus Experimenten und Theaterspiel direkt in das Gespräch mit dem Publikum über, das quasi den Schlussteil der Vorstellung bildet. Da kann man auch mal überfragt werden, selbst wenn man sich so akribisch vorbereitet hat wie die Grüne Soße.

Im Grunde ist es sogar die Crux des Stücks, dass es so viel an Wissen unterbringen will: was Wetter ist und wie es entsteht, den Wasser- und den CO2-Kreislauf, den Treibhauseffekt samt Klimakatastrophe. Die steht mit der Überschwemmung einer Hallig am Ende der 45 Minuten. Auf einem Glastablett steht ein Häuschen auf einem Haufen Sand, kleine Figuren symbolisieren die Bewohner der Hallig - bis es aus zwei Gießkännchen schüttet und das "Unwetter" die kleine Sandinsel komplett wegspült. Nur ein Schiff kann die Familie retten. Ein Drama in Miniatur, allein: Wie viele hiesige Kinder wissen, was eine Hallig ist? Was CO2, was Absorption oder Aerodynamik? Wind, Wasser und Sonne verkörpern die drei Schauspieler, mit roten, blauen und gelben Schuhen und Hemden, aber auch Wissenschaftler, deren Fachchinesisch zuweilen auch erwachsenen Zuhörern zu viel werden kann.

Geradezu wohltuend nimmt sich die Reise von Jens, dem kleinen Wassertropfen, aus, der von der Quelle durch den Rhein ins Meer gelangt und über das arktische Eis wieder in einem hiesigen Gurkenbeet landet, flankiert von Märchenfiguren, die bis zum Nonsens durcheinandergeraten. Auch da wäre weniger wohl mehr gewesen - an dem Stück, zu dem es auch eine Lehrermappe geben wird und Informationsmaterial zum Umweltschutz, wird sich im Lauf der Aufführungen aber sicher noch einiges ändern.

Spannend sind die Experimente, die, schließlich ist alles live, auch mal misslingen können, es brennt und zischt, wenn Wasser, Dampf, Eis, das Gewicht der Luft und ein Regenbogen aus dem Wasserbecken vorgeführt werden. Doch nur dann, wenn diese Experimente in das Spiel eingebettet werden und wenn das Stück mit den Mitteln des Theaters physikalische Phänomene erzählt, wird es richtig stark. Wenn die drei das Wetter tanzen, zu Chopins Minutenwalzer, den Oliver Augst (Musik) fragmentiert und gedehnt hat, wenn Beethovens Gewitter aus der Pastorale zur Hallig-Katastrophe grollt und wenn der Jahreslauf der Sonne aus Volks- und Kinderliedern zusammengesetzt wird, ist das Publikum ganz bei der Sache. Und singt sogar mit.

Eva-Maria Magel

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FRANKFURTER NEUE PRESSE, 19.03.2010

Prima Klima auf der Bühne

Das TheaterGrueneSosse beschäftigt sich beim Festival „Starke Stücke“ mit Umweltfragen  

Noch knapp einen Monat dauert es, dann findet im Rhein-Main-Gebiet wieder das Internationale Theaterfestival «Starke Stücke» statt. Auch die Schauspieler vom TheaterGrueneSosse gehen an den Start.

Bornheim. Wenn vom 21. bis zum 29. April die 16. Runde des Internationalen Kinder- und Jugendtheaterfestivals «Starke Stücke» läuft, dürfen natürlich auch Lokalmatadoren aus Frankfurt nicht fehlen. Unter den 18 Inszenierungen aus sieben Ländern sind immerhin drei von Theatergruppen aus der Mainmetropole.

Lokales Kolorit

Außer dem Theater Skyline und dem Theaterhaus Ensemble geht auch das TheaterGrueneSosse bei dem Festival im Rhein-Main-Gebiet an den Start. Das Bornheimer Kinder- und Jugendtheater führt das Stück «Klimaforscher – Das Gewicht der Luft» auf und will dem internationalen Teilnehmerfeld damit zu etwas Lokalkolorit verhelfen. Regisseur Detlef Köhler, der die «Klimaforscher» auf den Weg gebracht hat, freut sich schon jetzt auf die geballte Ladung Kindertheater im kommenden Monat. «Wir haben die ,Klimaforscher‘ schon sechsmal vor Schulklassen aufgeführt und dabei festgestellt, dass die Kids viel über das Thema wissen.» Jetzt hofft Köhler, dass auch der Auftritt am Freitag, 23. April, gelingt. Das mit 10 000 Euro vom Hessischen Ministerium für Wissenschaft und Kunst geförderte Stück ist als Begleitprogramm zur Klima-Ausstellung «Vor uns die Sintflut» entstanden, die im vergangenen Sommer in Offenbach gastierte. «Wir wollten ein gleichermaßen unterhaltsames und informatives Stück schaffen, das augenzwinkernd, aber ohne erhobenen Zeigefinger Wissen vermittelt», erläutert Köhler die Grundidee.

Drei Akteure

Auf der Bühne sieht das junge Publikum drei Schauspieler agieren: Willy Combecher, Sigi Herold und Friederike Schreiber, die allesamt in die Rolle eines Wissenschaftlers schlüpfen. «Auf der Bühne gibt es kleine Nickeligkeiten zwischen uns dreien», verrät Sigi Herold, dessen Figur sich der Erforschung des Wassers verschrieben hat. «Denn alle Forscher meinen, dass ihr Spezialgebiet am bedeutendsten ist.» Friederike Schreiber, die eine Sonnenforscherin verkörpert, merkt denn auch prompt an, das für die Entstehung von Leben «die Sonne viel wichtiger als das Wasser» sei. Willy Combecher, der dritte im Bunde, lauscht dem Disput gelassen: Er sonnt sich genüsslich in dem Wissen, dass ohne sein Spezialgebiet, die Aerodynamik, kein Vogel fliegen und kein Windrad in Bewegung geraten würde. Zum Glück tragen die drei Klima-Experten ihr Wissenschaftsduell nur auf der Bühne aus. Privat sind sie ein eingespieltes Team und blicken auf zehn Jahre gemeinsame Bühnenerfahrung zurück.

Langjährige Erfahrung vor und hinter der Bühne kann auch Detlef Köhler aufweisen. Dass gutes Kinder- und Jugendtheater kein Kinderspiel ist, hat Köhler während seines Engagements für das TheaterGrueneSosse natürlich verinnerlicht. Die reizvolle Herausforderung bestehe darin, schwierige Sachverhalte – wie beispielsweise eine Debatte über die Klimaerwärmung – so zu präsentieren, dass auch Sechsjährige folgen können. «Wir wollen Fragen aufwerfen und zum Denken anregen», betont Köhler, der von dem theaterpädagogischen Ansatz des TheatersGrueneSosse überzeugt ist. Vor dem großen Auftritt der «Klimaforscher» beim Internationalen Jugendtheaterfestival «Starke Stücke» hat das GrueneSosse-Ensemble noch mehrere Auftritte zu absolvieren.

Mirco Overländer