| Die Presseerklärung zur Preisverleihung | |
14.03.2011 Jury lobt die besondere Nähe zur Lebenswelt der Jugendlichen |
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| (pia) Der diesjährige Sieger des vor etwa einem Jahr eingeführten Kinder- und Jugendtheaterpreises "Karfunkel" steht fest: Der mit 10.000 Euro dotierte Preis geht an das TheaterGrueneSosse – Junges Ensemble für das Stück "Testosteron". Die Auszeichnung wird während des Kinder- und Jugendtheater-Festivals "Starke Stücke" am Dienstag, 12. April, um 18 Uhr im Kaisersaal des Frankfurter Römer verliehen. "Das Junge Ensemble der Gruenen Sosse schafft es immer wieder, junge Menschen ganz direkt anzusprechen. Dabei sind nicht nur die Themen unmittelbar aus der Lebenswirklichkeit der jungen Zuschauer entnommen, ganz entscheidend für die Qualität ist die Arbeitsweise des Ensembles", heben die Jury-Mitglieder hervor. |
"Die Dialoge und die collagenhafte Bildabfolge sind durch die Arbeit mit den jungen Darstellern entstanden und beruhen auf deren eigenen Aussagen und Improvisationen." Dadurch entstehe eine hohe Authentizität und das jugendliche Publikum könne sich direkter und einfacher mit dem Dargestellten identifizieren. Eine unmittelbare Beschäftigung mit Fragestellungen der Jugendlichen und die Entwicklung des Stücks aus deren Interessen heraus, zeichne die Arbeit des Theaters Gruene Sosse in besonderer Weise aus. |
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Die Jury zur Auswahl Programmheft: Theatertreffen der Jugend Berliner Festspiele 27.05. - 04.06.2011 |
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Was hält die Welt am Laufen — und uns Menschen lebendig? Sind es Wille und Vorstellung, kommunikative Rationalität oder autopoetische Prozesse? Finden wir Antworten auf existenzielle Fragen nach den Gründen menschlichen Handelns in der Metaphysik, der Religion, der Erkenntnistheorie — oder sind wir nicht doch eher Sklaven unserer Hormone, unter denen (zumindest für die eine Hälfte der Bevölkerung) das Testosteron als besonders prominent verehrt wird. Ist dieses Molekül doch zu großen Teilen für das zuständig, was gemeinhin als männlich betrachtet wird: Es sorgt erst für die Entwicklung des männlichen Geschlechtsteils, macht die Stimme tief, lässt Haare im Gesicht und auf der Brust sprießen und in einem Akt ausgleichenden Unrechts auf dem Kopf viel zu früh wieder ausfallen. Es steht für Libido, Antrieb, Ausdauer und Lebenslust ebenso wie für Aggression, Kampfverhalten, Begattungsdrang und Imponiergehabe. Entsprechend wird in der Produktion TESTOSTERON des Jungen Ensembles des TheaterGrueneSosse eines der offensichtlichen Lebenszeichen des gleichnamigen Hormons pathetisch-lyrisch mit nicht weniger als Strauss‘ «Also sprach Zarathustra« zum Schöpfungsakt verklärt: der erste Samenerguss. Nur dumm, dass dieser bedeutende und gefühlt um Jahre verspätete biografische Moment eher beiläufig im Schlaf im Schullandheim geschieht — und man jetzt den Druck im Nacken hat, den gelben Fleck ebenso beiläufig und unbemerkt wieder aus der Bettwäsche zu entfernen. Es ist dieser dialektische Ton aus pubertärer Großartigkeit und grandiosem Scheitern, forschender Neugier und ängstlichem Zögern, ehrlichem Ernst und sympathischer Selbstironie, der in dieser ersten Szene angeschlagen wird und in der Folge ebenso komisch wie anrührend die gesamte Aufführung durchklingt. |
Dramaturgische Klammer ist die Geschichte von Alex, dessen nächtliche Eruptionen (siehe oben) ihren Grund in Marina, der Mitschülerin, haben. Mitschülerin? Verzeihung, natürlich muss es Göttin oder Angebetete heißen, wie sie da so im Bus direkt vor Alex sitzt oder auf dem Schulhof vermeintlich unnahbar mit ihren Freundinnen steht und zur Sonne seines gesamten Gedanken- und Verhaltensuniversums wird: Wie bloß ansprechen? Spontan sein oder geplant Blumen mitbringen? In den Schulgarten gehen oder besser Handynummern tauschen? Wie es schaffen, dass sie ihn süß und cool zugleich findet? Es sind diese auf den ersten Blick pubertären Gedankenfiguren, die in ihrer Elementarität über das Heranwachsendendasein hinausweisen und im wahrsten Sinne das Große im Kleinen spiegeln: Gefühle (im Allgemeinen) und das Reden darüber (im Besonderen) sind und bleiben eben «voll kompliziert», egal ob als Vierzehn-, Siebzehn- oder Zwanzigjähriger, und so entscheiden sich die Frankfurter Spieler (alle vier der Pubertät erkennbar entwachsen), Gefühlslagen und -konflikte zwischen den «Alex»-Episoden in Körperlichkeit zu übersetzen: Sie tanzen miteinander, sie berühren sich, sie rennen gegeneinander — und sie tun dies so vital-kraftvoll, erwachsen und dabei so fürsorglich im Umgang miteinander, dass wir eben keine «Hengstparade» auf der Bühne sehen, sondern eine anrührende Sensibilität und Intimität erleben. Ebenso ehrlich ist der Umgang mit den theatralen Mitteln: Dieser ist durchsichtig bis ins Detail; Musik wird entweder live auf der Bühne erzeugt oder von einem Spieler als DJ gesteuert, die Dekoration ist reduziert auf eine Kiste mit Rollen und einen Paravent, der gleichzeitig als Projektionsfläche für die von einer Handkamera produzierten Videobilder dient. Hier wird keine Illusion erzeugt und doch eine Welt geöffnet, damit wir einen Blick hineinwerfen. Und mag dieser auch manchmal retrospektiv sein, eines ist er nie: denunziatorisch. Das bloße Handeln schlägt hier den Diskurs über Männlichkeit. Manches ist eben manchmal ganz einfach: «Das juckt mich nicht, ich bin nämlich männlich.» |
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| TheaterGrueneSosse - Junges Ensemble, aus der "reinMein, die überlokale Zeitschrift" Testosteron", ein Schauspiel für junge Menschen ab 14 Jahren… |
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… und Eltern Pubertierender. Vier heranwachsende junge Männer schütten ihre Endorphine aus und zeigen ein sportliches Stück mit nachdenklichen Sequenzen und musikalischen Einlagen. Während Eltern sich um die Schulnoten sorgen und die für die Erwachsenenwelt mitunter unlogisch, überzogen, triebhaft, gedankenlos oder gar asozial anmutenden Verhaltensweisen junger Menschen für behandlungsbedürftig halten, sind diese offenbar auf einem ganz anderen Planeten unterwegs. Man mag es ja kaum glauben, aber dreht sich dort wirklich alles nur um „Sex, Sex, Sex…“ und werden Mädchen und junge Frauen ausschließlich nach Titten und anderen sexuellen Reizen gerastert? Haben Erwachsene, die schließlich alle schon einmal pubertiert haben, das nur vergessen und sind deshalb manchmal so verständnislos? Aber die vier Jungs auf der Bühne findet man ja auch nicht nur klasse, weil sie gut aussehen, sondern weil sie überzeugend Theater spielen, Musik machen, nette Kerle sind, auch cool - irgendwie. „Was ist eigentlich cool?“, fragen sie im Stück und lassen die Frage offen. Man muss es den Getriebenen, nach Sex suchenden – das Internet gibt eine Menge her, ja glauben, dass sie, vom Testosteron gebeutelt, allein das andere Geschlecht umtreibt. Aus autobiographischem Material haben die Darsteller die Figur Alex, die ihn umgebenden Personen und die Spielsituationen entwickelt. |
Den ersten Samenerguss, die Frage „Wie spreche ich sie an?“ und das Schweben auf Wolke Sieben, wenn sie einem Date zugestimmt hat, aber auch die sich nicht erfüllenden Hoffnungen bis hin zu den Kränkungen der sich im Reifeprozess befindenden Männlichkeit, thematisieren die „Insider“ in einem temporeichen Reigen. Für pubertierende Jungs, die in dieser Phase ihr Innenleben gerne verschlossen halten oder, meist aus Unwissen und Unsicherheit, lieber sexistische Sprüche nachplappern als offen über ihre Gefühle und Ängste zu sprechen, ist das Stück ein Tabu-Bruch. Es wird offen über Dinge geredet, die Jungen bevorzugt verschweigen: die ersten Annäherungen und zärtlichen Berührungen in der Begegnung mit einem Mädchen, die Unsicherheiten über ihre Gefühle und Erwartungen, bis hin zur ersten Liebe, die vielfältige Auseinandersetzung mit der Rolle als Mann. ProFamilia hat im Gasto-Bereich des Theaterhauses Glückskekse auf die Tische gelegt. Einer gibt seinen Spruch frei: „Alles worauf Liebe wartet, ist Gelegenheit“ (Miguel de Cervantes). Im Anschluss an die Vorstellungen werden Nachgespräche angeboten, die von ProFamilia Frankfurt begleitet werden. Text: Dörthe Krohn |
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| MAIN SPITZE ein Angebot der Rhein Main Presse Innenleben eines Jugendlichen 11.02.2011 – RÜSSELSHEIM Von Tobias Riedl Lokale Kultur |
SCHAUSPIEL Junges Ensemble des Theaters „Grüne Soße“ inszeniert das Stück „Testosteron“
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Zu erkennen ist das an einem bestimmten Accessoire für jede Person, so hat beispielsweise die Mutter der Hauptfigur eine weiße Sonnenbrille. Alex trifft sich mit Marina im Kino und es kommt zum ersten Kuss. Er erzählt alles seinem besten Freund. Alex’ Mutter gibt ihm Hausarrest. Währenddessen ruft sein bester Freund an und behauptet, er habe sich mit Marina getroffen. In der Schule spricht Alex seinen besten Freund darauf an und beschimpft ihn. Marina steht daneben und Alex redet sich immer weiter in Rage, während Marina nicht weiß, wovon er spricht. Schlussendlich trennt sie sich von Alex aufgrund dieses Gespräches. Das Theaterstück, das vom Ensemble selbst geschrieben wurde, spricht besonders Jugendliche an. Alex drückt seine Gedanken unverblümt aus und die Schauspieler zeigen authentisch das Innenleben des Jugendlichen. Eine starke Leistung, denn sie haben erst im September angefangen, das Stück zu proben. Auf der Hinterbühne des Stadttheaters kommen die Darsteller mit wenig Ausstattung aus. Auffällig ist lediglich eine Leinwand, auf der auch einige Bühnenszenen als Filmsequenzen zu sehen sind. Das Thema nutzte pro familia, um im Anschluss mit Schülern, Regisseur und Schauspielern zu diskutieren. |
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Die Leichtigkeit des Jungseins Ensemble "Gruene Sosse" erhält Jugendtheaterpreis |
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| "Das ganze Leid des Jungseins" werde in "Testosteron" gezeigt. So hat es Christian Schoenfelder vom Jungen Ensemble Stuttgart in seiner Laudatio formuliert. Die Frankfurter Schauspielgruppe "Gruene Sosse" erhielt für das Stück jetzt den mit 10 000 Euro dotierten Kinder- und Jugendtheaterpreis "Karfunkel" der Stadt Frankfurt. Kulturdezernent Felix Semmelroth (CDU) sprach von einem "kulturpolitischen Zeichen", das belege, dass Kinder- und Jugendtheater längst eine unabhängige Kunstgattung geworden sei. Lobredner Schoenfelder würdigte außerdem die "echte Pionierarbeit" des Ensembles: "Gruene Sosse" habe seit der Gründung 1998 "viele Impulse für unser Genre" gesetzt, sagte der Dramaturg aus Stuttgart am Dienstag im Kaisersaal des Römer. "Testosteron" handelt von ganz normalen Jungen in der Pubertät, die nicht wissen, wohin mit all der überschüssigen Energie. Sie sind Sklaven ihrer Triebe und halten sich gleichzeitig für unbesiegbar. "Das Thema wurde von den Jugendlichen entwickelt", so Theaterleiter Willy Combecher. Kein Sozialdrama oder Migrantenschicksal wird der Handlung beigemischt - "Testosteron" ist Pubertät pur. In ihrem Überschwang besingen die Darsteller selbst noch das Urinieren als heroische Geste männlicher Potenz. Ebenso nonchalant wie trotzig beharren sie auf ihrem hormonellen Ausnahmezustand: "Das juckt mich nicht, ich bin nämlich männlich", singen die vier in ihrem "Piss-Song". |
Dabei sind die Darsteller Ossian Hein, Karl Kiesel, Daniel Shnitzer und Frowin Reber den Irrungen und Wirrungen der Jugend bereits entwachsen. Sie sind zwischen 21 und 23 Jahre alt, studieren oder machen ein Freiwilliges Soziales Jahr. Theater ist ihr Hobby. Frowin Reber fand sich gar eher zufällig auf der Bühne wieder: Eigentlich war er zunächst nur als Beleuchter engagiert. Auch ansonsten hat die Truppe für "Testosteron" viel improvisiert. All die Rivalitäten, das Verwirrspiel der erwachenden Sexualität, das erste Date: "Wir haben uns da wieder reingedacht", berichtet Daniel Shnitzer über die Entstehung des Stücks. Mit "Testosteron" ist das Ensemble "Gruene Sosse" auf dem Theatertreffen der Jugend Ende Mai in Berlin zu Gast. Acht Produktionen werden jedes Jahr in die Hauptstadt eingeladen, um mit Workshops, Aufführungen und in Gesprächen mit Fachleuten die jugendlichen Theatermacher zu fördern. "Jetzt geht es erst richtig los", scherzt Jungschauspieler Reber über seine Karriere, die ihn vom Beleuchter ins Rampenlicht geführt hat. "Testosteron" ist eben auch ein Stück über die Leichtigkeit des Jungseins. JOCHEN ERDMENGER |
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Stage and Screen Film and theatre reviews – strongly opinionated! Theatertreffen der Jugend 2011 – Testosteron, TheaterGrueneSosse, Junges Ensemble / Frankfurt am Main Irgendwann während dieser 60 Minuten passiert es plötzlich: Aus den Tiefen des Zuschauers löst sich auf einmal, ohne es zu wollen, ein ganz leiser, sanfter Seufzer: “Na endlich!”, sagt die innere Stimme und der sie hört, schämt sich ein bisschen. Denn “endlich” ist das Theatertreffen der Jugend beim ureigensten Thema Jugendlicher, und damit bei dem, was der Laie gemeinhin als die Domäne des Theaters von, mit und vielleicht auch für Jugendliche erachtet, angekommen: Ein Stück über nichts anderes als die Lebenswirklichkeit von Jugendlichen, darüber, was es heißt jung zu sein und erwachsen zu werden. Nach sieben Tagen Migrantenschicksalen, politischem Multimediatheater, Theoretisieren über Kunst oder Vergegenwärtigung von Shakespeare, nachdem Bayerische Schüler versuchten, Brecht, Tschechow und den TV-Klassiker Bonanza zu mischen, nachdem auch Dea Loher ihre TTJ-Premiere erlebte, glich der Rückzug auf ein ganz simples und doch für die, die es betrifft, ungemein existenzielles Thema, fast als Befreiung. Endlich einmal ein Stück, eine Gruppe, die nicht alles will, sondern “nur” über das Abenteurer Jugend berichtet. Dabei sind Idee und Geschichte ganz einfach. Die Idee: Vier der Pubertät entwachsene junge Männer erzählen und spielen von den Aufregungen und Ängsten, welche die Zeit prägen, in der man anfängt, nicht mehr Kind zu sein und noch meilenweit davon entfernt ist, sich erwachsen nennen zu dürfen. Die Geschichte: Ein Junge namens Alex geht durch die seltsame Zeitspanne zwischen ersten nächtlichem Samenerguss und erster, natürlich fürchterlich schiefgehender Liebe. Dabei lässt sie keine Klischees aus: Da sind die Taschentücher, die ausgiebigen Masturbationsübungen entspringen, und nach Entdeckung durch die Mutter zum Ergebnis eines hartnäckigen Schnupfens umgedeutet werden. Da ist der beste Freund,der sich natürlich ins gleiche Mädchen verknallt. Da ist die Mutter, die nach schwachen schulischen Leistungen natürlich gerade dann Hausarrest gibt, wenn man das Mädchen seiner Träume gerade geküsst hat und darauf eine Beziehung aufbauen will. Das ist alles nicht originell und will es wohl auch nicht sein. Es ist aber gerade deshalb äußerst unterhaltsam, streckenweise sehr komisch und überraschend erhellend. Was hier so exemplarisch vorgeführt wird, enthält ein gerüttelt Maß Ironie. Denn natürlich kann das hier gar keine Innensicht sein, ist die authentizität durch das Alter der Darstellenden schon ad absurdum geführt, wirkt hier die selektive Kraft und objektivierende Distanz der Rückschau. So ist es gewesen, weil es spo gewesen sein muss, denn so ist es doch immer bei pubertierenden Jungs. Um auch gar nicht zu viel Identifikation aufkommen zu lassen, wird Alex von allen vier Darstellern gespielt, mal nacheinander, mal als eine Art Staffellauf, in dem jeder nach einem Satz an den nächsten übergibt. Auch die anderen, die Außenwelt spielen sie, die Mutter, das angebetete Mädchen, den Freund. |
So simpel Idee und Geschichte auch scheinen, so intelligent umgesetzt ist Testosteron. Darsteller und Spielleiter haben ein spannendes und kurzweiliges Gemisch aus Performance, Sprech- sowie Tanz- und Bewegungstheater auf die Bühne gezaubert, die aus der einfachen Grundidee ein erstaunlich vielfältiges und vielseitiges Theatererlebnis machen. Auch die Aufteilung der Hauptfigur auf vier Spieler gehört zum Programm, steht sie doch für die widerstrebenden Gedanken, Gefühle und Hormonschübe, denen sich der Pubertierende ausgesetzt sieht.
Immer wieder streiten sich die Alexe, wie es auch Streit mit der äußeren Umwelt gibt. In seinen besseren Momenten ist das immer wieder durch Live- und Konservenmusik nie aufdringlich, zuweilen aber gewollt ironisch untermalte Stück ein polyphones Wirrwarr von Stimmen, inneren wie äußeren, die auf den überforderten Jungen einprasseln. Eindringlicher lässt sich die Belastung der Pubertät, insbesondere in ihrer Frühphase, kaum darstellen. Das Stärkste an der Inszenierung sind jedoch die Choreographien, die das Team mit Wiebke Dröge, der einzigen Frau bei diesem Projekt, erarbeitet hat, und die immer wieder eine Sprache finden für Dinge, die sich, vor allem in diesem Alter, schwer bis gar nicht verbal ausdrücken lassen, da sie es oft nicht bis auf die Bewusstseinsebene schaffen. Das titelgebende Hormon ist eben der fünfte Hauptdarsteller in diesem Stück. Da wird der erste Samenerguss in einer wunderbaren Pantomime samt nass werdendem Betttuch dargestellt, gestaltet sich der Streit mit der verständnislosen Mutter in einem vergeblichen Abstoßungstanz, den Alex auf einem rollbaren Hocker verbringt, führen die Spieler das Ausprobieren der Männlichkeit in einer grotesken Abfolge kopierter Posen vor, entlädt sich die aufkeimende Sexualität in einem wilden Tanz zwischen klarer Choreografie und hilfloser Suche, endet die Darstellung des ersten Dates in einem unentwirrbaren Knäuel aus Körpern und Gliedmaßen. Gerade in den Choreographien gelingt es dem Ensemble, die simple Grundidee zu transzendieren und so etwas wie Allgemeingültigkeit anzudeuten, ganz ohne Worte und schon gar nicht mit erhobenem Zeigefinger. So klischeehaft die erzählte Geschichte ist, so weit sie sich entfernen mag von der persönlichen Biographie, so nah dran an der Realität ist das, was sich im Bewegungstheater, das Testosteron auch ist, Bahn bricht. So frisch, unterhaltsam, aber eben auch intelligent wurde das beängstigende Abendteuer des beginnenden Erwachsenwerdens lange nicht mehr auf eine Bühne gebracht. Written by Sascha Krieger 05/06/2011 at 19:58 |






